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Okt 19

Hilfe für Eltern – wie übe ich sinnvoll mit meinem Kind?

Hilfe für Eltern – wie übe ich sinnvoll mit meinem Kind?    

„Wenn ich doch nur wüsste, wie ich helfen kann“, ein häufig von Eltern geäußerter Wunsch, deren Kind sich mit der Rechtschreibung quält. Doch können Eltern wirklich etwas tun? Einige Schulen bitten die Eltern sogar, sich vollständig aus der Rechtschreiberziehung herauszuhalten, um das Kind nicht zu verwirren. Was ist richtig? Hier einige wichtige Hinweise:

  1. Sie können nur helfen, wenn zwischen Ihnen und Ihrem Kind ein einigermaßen entspanntes Verhältnis besteht. Das bedeutet, dass während des Übens grundsätzlich eine positive Grundstimmung herrschen sollte – trotz gelegentlicher Streitgespräche und Unlustäußerungen. Klappt das gar nicht, finden Sie bitte eine andere Person, die mit dem Kind üben kann. Fragen Sie beispielsweise Großeltern, Freunde, Nachbarn, ob sie mit dem Kind üben können. Sie, die Eltern, sollten schöne Dinge mit dem Kind unternehmen und viele gute Zeiten miteinander haben, um die Beziehung zueinander zu stärken. So helfen Sie Ihrem Kind auf jeden Fall.
  2. Ja, es verwirrt Kinder, wenn Eltern völlig andere Auffassungen vertreten als die Lehrkräfte. Jedoch kann es keine unterschiedlichen Auffassungen darüber geben, wie Wörter geschrieben werden. Im Zweifelsfall reicht ein Blick in den Duden. Erklärungen, warum jenes oder dieses Wort so oder so geschrieben wird, sind manchmal ganz interessant, aber letztlich ist das nicht entscheidend. Man muss Wörter nicht erklären und oft kann man sie auch nicht erklären. Ihre Gestalt hat in der Regel historische Gründe, diese muss man aber nicht wissen, um das Wort schreiben zu können. Also klares Ja: Eltern können mit ihren Kindern Wörter üben. In Zeiten des Internets können sogar rechtschreibunsichere Eltern sich selbst und ihrem Kind in Sekundenschnelle Klarheit verschaffen. Und es ist die natürliche Aufgabe von Eltern, ihre Kinder zu lehren und ihnen Dinge beizubringen, wenn sie diese selbst beherrschen.
  3. Doch wie soll man nun üben? Meistens diktieren Eltern ihren Kindern Wörter, markieren die Fehler und diktieren dann erneut. Das ist jedoch kein Üben, sondern ein Test. Die Folgen: Das Kind steht unter Stress. Außerdem schreibt es unweigerlich Fehler, dadurch steigen die Unlust und die Unsicherheit des Kindes. Hinzu kommt – und das ist besonders bitter – dass die falsch gedachten Einfälle den Lerneffekt tatsächlich verringern. Denn: Einmal im Gehirn gedachte Gedanken nisten sich fieserweise dort ein. Man kann sie nur schwer wieder löschen. Das Kind wird mit hoher Wahrscheinlichkeit einen einmal gemachten Fehler ein paar Tage später wieder genauso schreiben, weil der Erinnerungsweg im Gehirn erneut abläuft wie bereits zuvor. Das ist also nicht sinnvoll. Einige Lehrkräfte wollen den Kindern diese Frustration und die unnötigen fehlerhaften Gedanken ersparen und raten aus diesem Grund vom häuslichen Üben ab. So werden jedoch auch, wie bereits gesagt, wichtige Übungszeiten für die Kinder vergeben.
  4. Und nun die gute Nachricht: Sie können das Diktieren mit ganz leichten Änderungen in eine sehr gute Übungsform umwandeln. Auf diese Weise üben Sie wirklich und das Kind arbeitet an seinen Rechtschreibgedanken. Sie helfen sozusagen dem Kind, ein funktionierendes Rechtschreibgewissen aufzubauen, das dann dazu führen wird, dass es die Wörter immer wieder richtig schreibt. Das ist Üben! Gehen Sie so vor:

A

Phase A wie Aufschreiben und Auswählen. Zeigen Sie einem Grundschulkind zuerst nacheinander alle Wörter, die Sie üben wollen (zum Beispiel 3 – 6 Wörter). Sehr gut hilft es auch, wenn Sie selbst die Wörter, während das Kind zusieht, einige Zentimeter groß aufschreiben. Benutzen Sie schwarze Stifte auf weißem oder leicht gelbem Papier. – Irgendwo findet sich immer Schmierpapier, zum Beispiel auf Briefumschlägen, Rückseiten von Briefen, alten Arbeitsblättern etc. Sie brauchen dafür keine neuen Blätter zu benutzen. Ein älteres Kind kann die Wörter in einem Buch ansehen oder sie sich selbst aufschreiben (zum Beispiel 20 -30 Wörter). Dabei hilft es, wenn die Wörter sortiert werden können, sie also auf Vokabelkarten oder einfach auf Zetteln stehen.


 Phase B wie Betrachten und Besprechen. Betrachten und besprechen Sie die einzelnen Wörter ein paar Minuten lang mit Ihrem Kind. Dabei haben Sie verschiedene Möglichkeiten: Erklären Sie, was das Wort bedeutet. Lassen Sie das Kind die Buchstaben zählen. Lassen Sie längere Wörter in Silben oder Wortbestandteile zerlegen. Zählen Sie auch die Buchstaben der Vor- und Nachsilben und die der anderen Wortteile. Schauen Sie die Besonderheiten der Wörter an, ob sie groß- oder kleingeschrieben sind, besondere Buchstaben haben usw. Es muss nicht immer alles besprochen werden. Ziel ist, die Wörter visuell bewusst wahrzunehmen. Dabei ergeben sich normalweise drei Gruppen von Wörtern: 1. Es reicht einmal aufmerksam draufzuschauen: Kann ich. 2. Ein bisschen üben ist nötig, aber dann werde ich es mir merken. 3. Für eine dritte Gruppe stellt sich vielleicht heraus: Ich kann mir das (heute) nicht behalten. Für die etwas schwierigeren Wörter, der letzen beiden Gruppen brauchen sie noch die Phase C – Chance verbessern.

Phase C wie Chance verbessern. Zeichnen Sie einen Rahmen um die Wörter und teilen Sie lange Wörter durch Stecken-Markierungen oder Silbenbögen unter dem Wort in Teilabschnitte ein. Lassen Sie das Kind üben, sich das Wort auf seinem inneren Bildschirm vorzustellen. Legen Sie die Wörter weg und sprechen Sie kurz (20 Sekunden) über etwas anderes.

Phase D wie Diktieren. Diktieren Sie nun die Wörter. ABER! Bevor das Kind das Wort schreibt, soll es das Wort zuerst erneut auf seinem inneren Bildschirm aufrufen und Ihnen sagen, was es über das Wort weiß: Wie viele Buchstaben hat Wort? Wird es groß oder klein geschrieben? usw. Dann erst, wenn das Kind richtig liegt, wird das Wort geschrieben. Ist das Kind noch unsicher, dann schauen Sie gemeinsam das Wort noch einmal an und legen es dann wieder zur Seite. Setzen Sie das Diktieren mit einem anderen Wort fort. Hat das Kind ein Wort geschrieben, zeigen Sie ihm sofort zur Bestätigung das Wort, wie es richtig geschrieben wird. Freuen Sie sich zusammen. Und was, wenn das Wort doch falschgeschrieben auf dem Blatt landet? Am besten wäre es, wenn dies gar nicht passieren würde (s. Punkt 3). Setzt das Kind also beim Schreiben zu einer falschen Bewegung an, können Sie ein kleines Geräusch machen oder freundlich Stopp sagen. Entweder dem Kind fällt dann ein, was es eigentlich machen wollte oder Sie zeigen erneut das Wort. Alternativ warten Sie, ob das Kind bei der abschließenden Kontrolle den Fehler doch noch bemerkt. Dann können Sie sich wiederum freuen, dass das Rechtschreibgewissen aufgepasst hat. Wichtig: Alle Wörter, die unsicher waren, werden noch einmal erneut diktiert. Wenn Sie einfach (heute) nicht im Gehirn bleiben wollen, dann eben beim nächsten Mal.

E und F

Phase E und F wie Ende und Freude. Beenden Sie die Übung mit einem guten Gefühl. Stellen Sie gemeinsam fest, welche Wörter heute sicher geschrieben werden konnten. Einige Wörter der Gruppe 3 konnte sich das Kind vielleicht noch nicht vollständig merken. Freuen Sie sich gemeinsam auch über sicher geschriebene Teile von Wörtern. Das kann der erste Buchstabe sein oder eine Silbe. Der Rest des Wortes wird dann beim nächsten Mal geübt und gesichert. Beispiel: Heute konnte ich mir schon mal merken, dass Chronik mit C anfängt. Sich freuen ist wichtig, um die Übung mit einem guten Gefühl abzuschließen, um die Motivation für die nächsten Übungen aufrecht zu erhalten und um dem Gehirn zu helfen, sich das Wort zu merken.

 

  1. Achten Sie mehr auf die Gedanken des Kindes, bevor es das Wort schreibt. Bestätigen Sie die richtigen Gedanken und korrigieren Sie die irreführenden Ideen. Bleiben Sie dabei sachlich und unterstützend.
  2. Freuen Sie sich mit dem Kind über Dinge, die schon klappen. Eine positive Haltung verbessert die Motivation und Aufnahmebereitschaft des Kindes und hilft dem Gehirn gleichzeitig, sich besser an die Wörter zu erinnern.
  3. Wenn ein Wort sehr schwierig für das Kind ist, üben Sie zuerst einzelne Wortteile, z. B. die ersten drei Buchstaben und die Endung. Freuen Sie sich darüber, wenn diese sicher geschrieben werden können.
  4. Wiederholen Sie die Wörter ein paar Tage später. Bitten Sie das Kind, sich das Wort jeweils zuerst auf seinem inneren Bildschirm Das kann sehr schnell gehen. Weniger als eine Sekunde auf dem Bildschirm ist bei sicheren Wörtern normal. Denn schließlich müssen wir beim normalen Schreiben so schnell sein, dass der innere Bildschirm uns jeweils vor der Handbewegung das Wort zeigt. Lassen Sie das Kind wiederum zuerst erzählen, was es über das Wort weiß. Korrigieren Sie falsche Ideen, bevor das Kind schreibt. Ist das Kind 100%ig sicher, kann es das Wort auch gleich schreiben. Freuen Sie sich zusammen. Regen Sie das Kind dazu an, sich zu freuen und seine sicheren Gefühle wahrzunehmen.
  5. Üben Sie immer so zügig wie möglich. Lassen Sie alles weg, was das Üben in die Länge zieht. Lassen Sie jedoch auch nicht zu, dass zu wenig Zeit darauf verwendet wird, die Wörter gründlich wahrzunehmen. Es ist besser zwei Wörter aufmerksam zu betrachten und gewissenhaft zu schreiben, als zwanzig Wörter, die dann noch nicht im Gehirn haften bleiben.
  6. Es wird Wörter geben, die das Kind nach einer gewissen Zeit wieder falsch erinnert. Das kann um so hartnäckiger sein, je häufiger das Kind das Wort in seiner Schreibkarriere schon falsch geschrieben hat (Siehe Punkt3). Besonders kleine Wörter wie gibt, hier, für, viele sind hierfür sehr anfällig. Das liegt daran, dass ein einmal im Gehirn angelegter Erinnerungsweg für immer bestehen bleibt, auch wenn er durch Üben umgangen wird. Und auch daran, dass das Gehirn besonders bei Stress oder bei Routinehandlungen auf diese alte Erinnerungswege zurückgreift. Das kennt jeder: Man hat einen Gegenstand, z. B. ein Buch, ein Werkzeug, ein Kleidungsstück an einer neuen Stelle untergebracht. Und dann, wenn man den Gegenstand benötigen, sucht man ihn alten Stelle. Und erst wenn er da erstaunlicherweise nicht ist, dann fällt einem ein: Ach, ja, das wollte ich ja jetzt anders machen. So geht es dem Kind mit früheren Schreibweisen. Denken Sie sich für diese Wörter zusätzliche Hilfen aus, indem Sie weitere Sinne zur Unterstützung einbeziehen. Geben Sie nicht auf.

1 Kommentar

  1. ukloss

    Aha, interessant, da sollten jetzt eigentlich keine Kommentare sein. 😀

Kommentare sind deaktiviert.